Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: Oktober 2021

Spuren Theodor Körners in den Tagebüchern der Herzogin Dorothea von Kurland


Theodor Körner (1791-1813) zählt zu den prominentesten Verfassern politischer Lyrik im Kontext der antinapoleonischen Befreiungskriege (1813-1815). Bis heute sind zahlreiche Straßen und Plätze nach ihm benannt.

Er war der Sohn des Schriftstellers und Juristen Christian Gottfried Körner (1756-1831) und Minna Körners (1762-1843). Letztere war die Tochter des Kupferstechers Johann Michael Stock, bei dem Goethe Zeichenunterricht nahm, sowie die Schwester der Malerin Dora Stock, von der ein berühmtes Porträt Theodors stammt. Körners Vater war eng mit Schiller befreundet; darüber hinaus pflegte er Kontakt zu namhaften Protagonisten des damaligen kulturellen Lebens, darunter Goethe, Kleist, Wilhelm und Alexander von Humboldt sowie August und Wilhelm Schlegel.

Das geistige Klima, in dem er aufwuchs, legte es nahe, dass sich Theodor früh dem Schreiben zuwandte. Während seiner Studienjahre in Freiberg und Leipzig wurde er jedoch auch politisch aktiv und trat verschiedenen Burschenschaften bei. Wegen seines drohenden Ausschlusses von der Universität Leipzig zog er weiter nach Berlin und von dort aus nach Wien, wo er begann, Dramen zu schreiben und auch einige Bühnenerfolge feierte. 1813 trat er dem Lützowschen Freikorps bei. Im Juni wurde er schwer am Kopf verwundet, konnte sich jedoch in Karlsbad, wo er von seiner Patentante, der Dichterin Elisa von der Recke (1754-1833), gepflegt wurde, erholen. Wieder bei seiner Truppe angelangt, traf ihn am 26. August 1813 in der Nähe von Lützow eine tödliche Kugel. Sein Tod wurde erst im November bekanntgegeben.

Theodor Körner hatte neben Elisa von der Recke noch eine weitere prominente Taufpatin, von der er auch seinen Namen erhielt, nämlich deren Schwester, die Herzogin Dorothea von Kurland (1761-1821), eine der schillerndsten weiblichen Persönlichkeiten des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts (vgl. hierzu das Objekt des Monats Februar 2021). Legendär wurde nicht zuletzt Dorotheas Musenhof in Löbichau (Altenburger Land), wo sie einen literarischen Salon betrieb. Auch die Familie Körner gehörte zu dessen engstem Kreis.

In den "biographischen Notizen" zu Körners posthum erschienenem "poetischen Nachlaß" (1814/15) äußert sich der Herausgeber Christian Gottfried Körner zum Aufenthalt seines Sohnes in Löbichau und seinem Verhältnis zur Herzogin:


"Eben so wenig konnte er die Erlaubniß unbenutzt lassen, auf dem Landsitz der Frau Herzogin von Curland in Löbichau bey Altenburg einige Tage zuzubringen. Seine Eltern hatten das Glück gehabt, dieser Dame und ihrer verehrten Schwester, der Frau Cammerherrin Elisa von der Recke näher bekannt zu werden und erfreuten sich ihres vorzüglichen Wohlwollens. Der junge Körner erhielt als Pathe der Frau Herzogin von ihr ansehnliche Geschenke zu Bestreitung des mit seinen Studien verbundenen Aufwands, und wußte den gütevollen Empfang zu schätzen, den er in Löbichau fand."
(XXXVI)

"Für die Abendunterhaltungen in Löbichau wurde auch durch Schriftstellerey gesorgt. Eine geistreiche Dame im Gefolge der Frau Herzogin von Curland, ein Arzt und ein Künstler vereinigten sich mit Körnern, um sogenannte Theeblätter zu liefern, die bloß in der Handschrift für die dortige Gesellschaft bestimmt waren. Körner war eben damals zuerst vor dem Publikum als Autor aufgetreten. Eine Sammlung seiner Gedichte erschien unter dem Titel: Knospen. Es wäre vielleicht gegen eine so frühzeitige Autorschaft manches einzuwenden gewesen, aber Körners Vater fand dabey überwiegende Vortheile. Der junge Dichter sollte auf Mängel aufmerksam gemacht werden, die den Blicken der Freunde entgangen waren, sollte die Probe bestehen, ob ihn selbst harte und ungerechte Urtheile niederschlagen, oder zu neuen Versuchen auffordern würden." (XXXIXf.)

Der Krieg und Körners freiwillige und von der Familie nicht gutgeheißene Beteiligung an diesem machte den friedlichen Zusammenkünften ein Ende. Christoph August Tiedge (1752-1841), Dichter und Lebensgefährte Elisa von der Reckes, schildert in seiner Biographie der Herzogin, welchen Anteil diese an der Verwundung ihres Patenkindes nahm:

"Die Schlacht bei Lützen wurde geschlagen, und tröstlicher Erfolg war errungen. Theodor Körner, ihr Pathe, hatte sich nicht abhalten lassen unter die preußischen Fahnen zu treten; er kam aus der Schlacht verwundet nach Karlsbad. Die Herzogin nahm sich dieses Sohns ihres Herzens mütterlich an. […]." (286)


Spuren dieser Verbindung finden sich auch in den Tagebüchern der Herzogin, welche sich als Teil des Nachlasses Biron im Bestand der ThULB befinden. Anlässlich des diesjährigen 230. Geburtstages Theodor Körners sind die betreffenden Tagebucheinträge die Objekte des Monats Oktober. [XI, 8r] July - 1810 - Carlsbaad
d 14tn
Sonnabend

Ich konnte Carlsbaad nicht erwarten
um 2 Uhr kahm ich an […]
Ich dinirte bei den
Kindern, ging dann nach Hause - klei
dete mich um sahe die ganze Koerner
sche Familie, u. der Abend verging
mit Schwatzen, Fragen u. antworten. […]

[27v] August 1810 aus Leipzig -
d 28st
Dienstag

Obzwar H v. Mantheufel uns die
beste Empfehlung an den Posten
gab, so sind wir dann doch erst gegen
1 Uhr Mittags angekommen, u haben
von der Hitze u vom Staube gelitten.
Der König von Schweden wohnt neben
mir, ich bin ihm aber noch nicht gewahr
worden. - Theodor Körner u. Caroline
Taube kahmen gleich zu mir, u. blieben
auch zum Diner, nachher besuchten mich
Clodin u. Eckard. - […]

[31v] Sept. 1810 - aus Loebichau
d 9ten
Sontag
[…] - dinirt, dann
viel spazieren gegangen bis zur neuen
Allee die nach Posterstein führt.
Als wir nach Hause kahmen fanden wir
Theodor Körner. Den Abend ombre gespielt. […]

[33r] Sept. 1810 - aus Loebichau
d 15tn
Sonnabend
[…] Theodor Körner
hat sich im Springen am Fuße blessirt
u. dadurch vorzüglich seiner Tante
Unruhe gegeben. […]

[34r] Sept 1810 - aus Loebichau
d 19t
Mitwoch
[…] Ein geschickter Harfenist, kürzte
die Abende angenehm wie auch
die Abendblätter die beym
Tee gelesen werden Theodor Körner
ist redacteur […]

[35v] Sept. 1810 - aus Loebichau
d 23st
Sontag
Es war Theodor Körners GeburtsTag
der Himmel heiter u. schön: wir déjeunir
ten in Zelten. [vgl. Abb. 1] […]


[XIV, 11v] Merz aus Egra - oder Franzensbrunn / Carlsbaad
1813
[…]
d 28sten
Sontags
[…] Theodor Körner hat
den dummen Streich gemacht nach Breslau zu gehen
u. Militair Dienste zu nehmen. Die Eltern sind trostlos.
[…]

[25r] Juny aus Carlsbaad
1813
[…]
d 23stn
Mitwoch
[…] Heute ist die Nachricht angekommen
daß Theodor Körner bey ein Unglücke in Leipzig
getödtet sey - der zweyte Thümmel ist blesirt
in Altenburg gebracht worden. -
[…]

[25v] Juny aus Carlsbaad -
1813
d 26stn
Sonnabend
[…] - Die Nachricht von
Theodors Körner schweren Blessur und Gefangen
Nehmung bestätigt sich - Dorchen schrieb es selbst. Alfred
Thümmel der leichter verwundet war hat sich durch
einen gewagten Sprung gerettet. -
[…]

d 29st
Dienstag
Nach der Morgen Promenade war ich überascht
durch Theodors Körner Ankunft der sich gerettet hat
gesehen habe ich ihn nicht. […]

[26r] Juny Carlsbaad -
1813
[…]
d 30st
Mitwoch
[…]
[27r] Ich besuchte heute früh Elise u. sahe wie Theodor ver
bunden wurde Sulzer verpflegt ihn, er logirt bey Elise
seine Kopfwunde bedarf Pflege. - [vgl. Abb. 2] […]




Signatur:
Nachl. Biron, A, XI u. XIV (zum Digitalisat)

Ansprechpartner:
Dr. Boris Hoge-Benteler

Literatur:

  • Bruderreck, Barbara: Der Musenhof der Herzogin von Kurland. In: Klaus Hofmann (Hg.): Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen. "Ihr äußeres ist sehr einnehmend und sie kleidet sich mit Geschmack". Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Posterstein: Museum Burg Posterstein 2011, S. 110-123. (Titel in der ThULB Suche)
  • Dorothea von Kurland: Tagebuch XI. (zum Digitalisat)
  • Dorothea von Kurland: Tagebuch XIV. (zum Digitalisat)
  • Hofmann, Klaus; Adamek-Pujszo, Katarzyina: Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen. "Ihr äußeres ist sehr einnehmend und sie kleidet sich mit Geschmack". Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Posterstein: Museum Burg Posterstein 2011. (Titel in der ThULB Suche)
  • Hofmann, Sabine; Hofmann, Klaus: Wo ich einst residierte - wo ich Fürstin des Landes war … Lebensstationen der Herzogin von Kurland. Posterstein: Museum Burg Posterstein 2007. (Titel in der ThULB Suche)
  • Hofmann, Sabine; Hofmann, Klaus: Zwischen Metternich und Talleyrand. Der Musenhof der Herzogin von Kurland im Schloss zu Löbichau. Posterstein: Museum Burg Posterstein 2004. (Titel in der ThULB Suche)
  • Körner, Christian Gottfried: Biographische Notizen über ihn von dem Vater des Verewigten. In: Theodor Körner (Hg.): Theodor Körners poetischer Nachlaß, Bd. 2: Vermischte Gedichte und Erzählungen. Nebst einer Charakteristik des Dichters von C. A. Tiedge und biographische Notizen über ihn von dem Vater des Verewigten. Leipzig: Hartknoch (1815), XI-LXII. (Titel in der ThULB Suche)
  • Tiedge, Christoph August: Anna Charlotte Dorothea, letzte Herzogin von Kurland. Leipzig: Brockhaus 1823. (Titel in der ThULB Suche)

Vorherige Objekte des Monats sind im Archiv verfügbar.

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