Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: Juni 2021

Exlibris Eduard Rosenthal


Am 25. Juni vor 95 Jahren starb in Jena der Rechtswissenschaftler, Hochschullehrer, Politiker und "Vater der Thüringer Verfassung" Eduard Rosenthal.

Als Deutscher jüdischen Glaubens fiel er in der Zeit des Nationalsozialismus dem Vergessen anheim und erst seit wenigen Jahren werden Leben und Wirken in Jena und darüber hinaus wiederentdeckt. Bisheriger Höhepunkt dieser "Spurensuche" war die Einweihung des dezentralen Denkmals "Erkundungsbohrungen" von Horst Hoheisel und Andreas Knitz im vergangenen Jahr.

Geboren 1853 in Würzburg blieb er der Juristischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität nach seiner Habilitation 1880 bis zu seinem Tode 1926 verbunden. Nach Jahren des Wirkens als außerordentlicher (also unbezahlter) Professor wurde er 1896 endlich zum ordentlichen Professor für Deutsche Rechtsgeschichte und Öffentliches Recht ernannt.

Der vielseitig interessierte Jurist war zweimal Rektor der Universität, hatte wesentlichen Anteil an den Statuten der 1889 gegründeten Carl-Zeiss-Stiftung, war Berater und enger Freund Ernst Abbes. Nicht zuletzt entstammt seiner Feder der Entwurf der 1921 endgültig bestätigten Thüringer Verfassung.

In kultur- und bildungspolitischer Sicht ist sein Wirken als Mitbegründer und Vorsitzender des Jenaer Lesehallenvereins zu erwähnen. Die 1896 gegründete Lesehalle ist Vorgänger der heutigen Ernst-Abbe-Bücherei.

Dem wissenschaftlichen Büchersammler Eduard Rosenthal verdankt die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek eine bislang zahlenmäßig nicht näher bezifferbare Anzahl juristischer, politischer, wirtschaftswissenschaftlicher und historischer Werke. Sie sind durch ein Exlibris leicht zu identifizieren und befinden sich heute überwiegend im historischen Bestand der Teilbibliothek Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Die Verwendung von Exlibris (lateinisch "aus den Büchern [von …]"), also Kennzeichnungen des Eigentümers in Büchern, ist seit dem Ende des 15. Jahrhunderts nachgewiesen. Es handelt sich dabei entweder um in die Bücher eingeklebte Zettel oder um einen Stempelabdruck. Der reine Gebrauchswert als Bucheignerzeichen tritt dabei häufig hinter den künstlerischen Wert einer Kleingrafik zurück.

Entgegen der Tradition, dass das Exlibris durch den Eigentümer angebracht wird, hat Eduard Rosenthal sein eigenes Exlibris nie gesehen.

Nach seinem Tode hatte die Witwe Clara Rosenthal (1863-1941) keine Verwendung für die wissenschaftliche Bibliothek ihres Mannes. Schmerzlich werden sie die Bücher an den verstorbenen Gatten, aber auch an den 1914 im Kriege gefallenen einzigen Sohn Curt (auch er hatte Rechts- und Wirtschaftswissenschaft studiert) erinnert haben. Sie bittet Heinrich Gerland, ebenfalls Jurist und ein Freund der Familie, zu sich und dieser berichtet Dekan Justus Hedemann: "Es soll also die gesamte wissenschaftliche Bibliothek Rosenthals uns geschenkt werden, soweit wir sie brauchen können. Die Bücher sollen zunächst so ausgesucht werden, dass sie in das Seminar kommen. Das was wir nicht benutzen können, soll dann der Bibliothek angeboten werden, der Rest wird verkauft. Ich habe die Bibliothek einer flüchtigen Prüfung unterzogen. Es sind sicher eine große Anzahl wertvoller Werke vorhanden. […] Frau Rosenthal möchte nun die Angelegenheit möglichst bald geregelt bekommen, da sie vor ihrer Abreise das Zimmer frei haben möchte. Sie hat mich daher gebeten, die Überführung der Bücher nach der Bibliothek möglichst schon jetzt vorzunehmen."

Justus Hedemann spricht der Witwe im Namen der Fakultät den allerherzlichsten Dank aus und skizziert das weitere Vorgehen: "So wird auch in Gestalt dieser großen Gabe Eduard Rosenthal bei uns fortleben. Wir haben die Absicht, in alle Bücher ein kleines Blättchen einzukleben, ein kleines Exllibris, das den Namen des ursprünglichen Besitzers trägt und so noch bei späteren Generationen diesen Namen wach erhält. Ich werde mir erlauben, Ihnen, hochverehrte gnädige Frau, wenn es so weit ist, eine Probe des geplanten schlichten Blättchens vorzulegen."

Den Entwurf des Exlibris besorgt die Frommansche Buchdruckerei in Jena. In seiner Aufmachung ist er betont schlicht gehalten, ein einfacher Zierrahmen umschließt den Namenszug. Er findet das Wohlwollen Clara Rosenthals und Prof. Gerland, der die Größe der Bibliothek nicht abschätzen kann, schreibt an die Druckerei: "Die Anzahl der zu bestellenden Exemplare kann ich nicht übersehen. Da ja aber der Satz keine Mühe machen wird, ist es wohl das einfachste, ich bestelle zunächst 500 Exemplare, um, falls wir noch mehr gebrauchen, eine weitere Bestellung zu machen."

Dies wurde schließlich auch nötig. Aufgeteilt wurden die Bücher zwischen dem Juristischen Seminar, dem Institut für Wirtschaftsrecht und dem Soziologischen Seminar. Genaue Zahlen sind nicht überliefert, eine Titelliste existiert nicht. Zumindest für das Juristische Seminar wird die Zahl mit "etwa 1000 Titeln" angegeben.

Alle drei Kleinbibliotheken sind im Bestand der ThULB aufgegangen. Wie viele Bände die Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeiten tatsächlich überstanden haben, bleibt einer weiteren "Spurensuche" vorbehalten.

Dekan Hedemann zieht in einem Dankschreiben an Clara Rosenthal am 12.11.1926 Bilanz. "Das Ergebnis hat unsere Erwartungen übertroffen. Wir haben, namentlich auf einigen von dem Heimgegangenen besonders gepflegten Teilgebieten, eine sehr wertvolle Bereicherung unserer Bibliotheken empfangen."

Ansprechpartner: Thomas Witzgall

LITERATUR:

  • Universitätsarchiv Jena, Bestand K Nr. 414
  • Verena Krieger / Jonas Zipf: "Erkundungsbohrungen". Ein dezentrales Denkmal für Eduard Rosenthal, Ilmtal-Weinstraße 2020 (ThULB Suche)
  • Dietmar Ebert: Eduard Rosenthal : ein Charakterporträt, Dresden 2018 (ThULB Suche)
  • Gerhard Lingelbach: Eduard Rosenthal (1859 - 1926) : Rechtsgelehrter und "Vater" der Thüringer Verfassung von 1920/21, Weimar 2006 (ThULB Suche)


Vorherige Objekte des Monats sind im Archiv verfügbar.

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