Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: Januar 2022


Artefakte des alten Bibliothekshauptgebäudes aus dem 19. Jahrhundert


Die älteste Bausubstanz des Gebäudeensembles am Bibliotheksplatz 2 sind zwei tonnengewölbte Keller, unter denen sich der Fürstenkeller vor allem durch seine Größe auszeichnet. Die große Tonne erreicht eine Scheitelhöhe von zehn Metern, eine Länge von 55 Metern und eine Breite von zwölf Metern. Insgesamt misst die Grundfläche 660 Quadratmeter. Die kleine Tonne erreicht bei einer Breite von neun Metern eine Länge von 33 Metern. Die Keller dienten ursprünglich als fürstliche Weinlager und waren mit einem massiven Kornspeicher überbaut. Im Jahre 1668 ließ Herzog Bernhard von Sachsen-Jena (1638-1678) über dem Fürstenkeller ein Gasthaus errichten. Der Jenaer Chronist Johann Ernst Basilius Wiedeburg (1733-1789) erwähnt 1785 erstmals das Großherzogliche Rentamt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Teile der Gebäude von Burschenschaften genutzt, etwa von der 1840 bis 1846 bestehenden "Burschenschaft auf dem Fürstenkeller", die danach ihr Domizil im Burgkeller in der Weigelstraße bezog (1945 zerstört), heutiger Standort der "Goetheapotheke".

Die Universität Jena beging 1858 ihre Dreihundert-Jahr-Feier; drei Jahre zuvor begannen nach Entwürfen von Carl Heinrich Ferdinand Streichhan (1814-1884; Architekt und Oberbaudirektor in Sachsen-Weimar-Eisenach 1848-1884) die Umbauarbeiten des Hauses über der großen Tonne zum neuen Bibliotheksgebäude, das dem italienischen Stil der Frührenaissance nachempfunden war. Es entstand ein breitgelagerter, zweigeschossiger Bau mit Rundbogenfenstern, dessen Vorderfront durch zwei symmetrisch angelegte Freitreppen betont wurde, wobei der linke Eingang nur als Staffage diente. Die neue Bibliothek wurde zunächst im Rahmen der Jubiläumsfeier, welche vom 15. bis 17. August 1858 stattfand, für Festzwecke genutzt. Die Bibliotheksbestände wurden im folgenden Winter in das Gebäude gebracht. Das Bibliotheksgebäude erhielt 1893/94, parallel gegenüber dem Rentamt, einen Magazinanbau, dem 1914/15 ein weiterer, großer Speicherbau folgte, der als einer der ältesten Stahlbetonbauten Deutschlands galt. Während der Bombenangriffe im Februar/März 1945 wurde das Bibliotheksgebäude von 1858 fast vollständig zerstört, jedoch blieben die An- und Kellerbauten weitgehend erhalten, wurden notdürftig hergerichtet und in den 1960er Jahren um eine Baracke erweitert (Nutzung als UB-Ausleihe).

Die hier gezeigten Fundstücke stammen höchstwahrscheinlich aus der ersten Anbauphase des ausgehenden 19. Jahrhunderts, worauf die eingravierte Jahreszahl 1894 sowie das Töpferei-Signet "C. Lang" hindeuten. Die damals beauftragte Firma Lang ist 1893 im "Adreßbuch der Residenz- und Universitätsstadt Jena nebst Einwohnerverzeichnis" mit der Adresse Neugasse 19 vermerkt. Die vier mehr oder weniger beschädigten Bauzierelemente aus gebranntem Ton - eine Konsole, eine Rosette, eine Volute und ein Bauelement mit vegetabiler Zier (hierauf das Signet) - waren Ende der 1990er Jahre im Schutt der Baustelle des heutigen Bibliothekshauptgebäudes geborgen worden und wurden vor Kurzem in die Sammlungen der ThULB überführt.

Ansprechpartner:
Ulrich Bohmüller


Literatur:

Konrad Marwinski: 425 Jahre Universitätsbibliothek Jena. Kurzgefaßte Bibliotheksgeschichte, Jena 1983 (Titel in der ThULB Suche)

Kerstin Vogel: Carl Heinrich Ferdinand Streichhan. Architekt und Oberbaudirektor in Sachsen-Weimar-Eisenach 1848-1884, Köln u.a. 2013 (Titel in der ThULB Suche)

Michael Platen: Der Fürstenkeller in Jena. In: Reichtümer und Raritäten. Denkmale, Sammlungen, Akten und Handschriften, Jena 1990, S. 8-13 (Titel in der ThULB Suche)


Vorherige Objekte des Monats sind im Archiv verfügbar.

 

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