Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: September 2019

vom 01.09.2019 bis 30.09.2019

Sigmund von Birken: Kurtze Beschreibung Deß Schwedischen Friedensmahls […], Nürnberg: Dümler 1649

Nach mehrjährigen Verhandlungen in Münster und Osnabrück kam es 1648 zum "Westfälischen Frieden", der im Wesentlichen die Einstellung der Kampfhandlungen und wichtige Grundentscheidungen zur territorialen, politischen und konfessionellen Neuordnung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation fixierte und gemeinhin den Schlusspunkt des Dreißigjährigen Kriegs markiert. Die Einzelheiten für eine vertragliche Friedensordnung wurden allerdings erst auf dem sogenannten "Friedensexekutionskongress" verhandelt, welcher zwischen April 1649 und Juli 1650 in Nürnberg stattfand.

Die Ergebnisse des "Nürnberger Exekutionstags" wurden 1649 bzw. 1650 in jeweils einem Rezess zusammengefasst. Bereits anlässlich des ersten, des sog. Interims-Rezesses lud die schwedische Seite zu einem festlichen Friedensmahl, welches am 25. September 1649 im großen Rathaussaal in Nürnberg abgehalten wurde. Für die literarische Begleitung und Dokumentation der Feier wie auch der anderen Ereignisse des Exekutionstages wurden die Dichter des Pegnesischen Blumenordens, einer bedeutenden Sprachgesellschaft der Zeit, beauftragt. Der Dichter Sigmund von Birken (1626-1681) hielt die Gestaltung sowie den Ablauf des Friedensmahls in einer Flugschrift fest. Anlässlich des 370. Jahrestages des Festes ist diese Flugschrift unser Objekt des Monats September.

Das Ausmaß des Friedensmahls, für dessen Ausgestaltung weder Kosten noch Mühen gescheut wurden, vermag, besonders in Anbetracht der Schrecken des Dreißigjährigen Krieges und der damit einhergehenden, weitreichenden Verwüstung des Reiches, noch heute zu verwundern und zu beeindrucken. So lesen wir u.a. bei Sigmund von Birken:

"[…] daß also nicht nur der Mund mit niedlichster Speise und Tranck, das Ohr mit lieblichem Getöne, das Aug mit nachsinnigen Schaugerichten, sondern auch der Geruch mit angenemen Tufft belustiget, und von allen Anwesenden dergleichen Herrligkeit nie gesehen worden. […] / Man hat auch bey diesem Friedensmahl der Armen nicht vergessen, und unter dieselben zween Ochsen, benebens vielen Brod ausgetheilet. Zudeme ist aus eines für das Fenster aufgesetzten Löwen Rachen, welcher einen Palmenzweig in einer Patten, in der andern ein zerbrochnes Schwert hatte, roter und weisser Wein über sechs Stunde häuffig geflossen […]." (3r-3v; Abb. 2)

Signatur: 8 MS 26502 (32)

Ansprechpartner: Dr. Boris Hoge-Benteler

Abb. 1
Abb. 2
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