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ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: Juli 2018

vom 01.07.2018 bis 31.07.2018

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der Aus dem Grab der Vergessenheit wieder erstandene Simplicissimus […], Nürnberg: Felßecker 1684 [1668].

Das Jahr 2018 ist das Gedenkjahr des Dreißigjährigen Krieges, welcher von 1618 bis 1648 große Teile des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation erschütterte. Im Zeichen dieses Kriegs entstand das bis heute wohl bekannteste deutschsprachige Werk der literarischen Epoche des Barock: Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens (1622-1676) Prosaroman "Simplicissimus Teutsch". 2018 feiert Grimmelshausens Hauptwerk sein 350. Jubiläum: Es erschien zuerst (vorausdatiert auf 1669) im Jahr 1668. Aus diesem Anlass ist die illustrierte Simplicissimus-Ausgabe von 1684 unser Objekt des Monats Juli.

In einer Mischung aus scharfzüngiger Satire und erschütterndem Realismus erzählt Simplicius Simplicissimus, der Protagonist des Romans, rückblickend seine abenteuerliche Lebensgeschichte, welche aufs engste mit der Welt des Dreißigjährigen Kriegs verflochten ist. Der Roman erschien zunächst 1668 in fünf Büchern, ein sechster Fortsetzungsband folgte noch im gleichen Jahr. Handelt es sich auch um ein fiktives Werk, so ist heute davon auszugehen, dass Grimmelshausen, der aus einfachen Verhältnissen stammte und schon früh aktiv am Kriegsgeschehen teilnahm, viele der im Roman geschilderten Kriegs- und Gewaltszenen aus eigener Anschauung kannte.

Eine Besonderheit der von uns gezeigten Ausgabe von 1684 sind die zahlreich enthaltenen Kupferstiche. Abb. 2 zeigt, wie Soldaten das Heimatdorf des Erzählers plündern. Auf einem Stein findet sich die lateinische Inschrift: "Humana feritas Luporum Rapacitas" (die menschliche Wildheit ist wie die Raubgier der Wölfe). Die Subscriptio lautet: "Schau die gemenschte / Wölff allhier / Wie Sie der Simplex stellet für / Als Wolffs-verwildte Menschen-Thier." Im vierten Kapitel des ersten Buches schildert der Erzähler die makabre Szene sehr eindrücklich:

"[…] den Knecht legten sie gebunden auff die Erde, steckten ihm ein Sperrholtz ins Maul, und schütteten ihm einen Melckkübel voll garstig Mistlachen-Wasser in Leib, das nanten sie einen Schwedischen Trunck […]. / Da fieng man erst an, […] der Bauren Daumen auffzuschrauben, und die arme Schelmen so zu zerfoltern, als wann man hätte Hexen brennen wollen, massen sie auch einen von den gefangenen Bauren bereits in Backofen steckten, und mit Feuer hinter ihm her waren […], einem andern machten sie ein Sail um den Kopff, und raitelten es mit einem Bengel zusammen, daß ihm das Blut zu Mund, Naß und Ohren heraussprang. […] [Unsere Magd] sprach zu mir mit kräncklicher Stimme: O Bub! Lauff weg, sonst werden dich die Reuter mit nemen, guck daß du davon kommst, du sihest wol, wie es so übel: mehrers konte sie nicht sagen." (19f.)

Die Simplicissimus-Ausgabe von 1684 ist auch Teil der Ausstellung "was Krieg vor ein erschreckliches und grausames Monstrum seye" - Literatur und Kunst im Zeichen des Dreißigjährigen Krieges, welche bis zum 14. Dezember 2018 in den Räumen der ThULB zu sehen ist.

Signatur: 8 Hist.un.VIII,23

Ansprechpartner: Dr. Boris Hoge-Benteler

Literatur:

Battafarano, Italo Michele; Eilert, Hildegard: Planet Grimmelshausen. Beschreibende Bibliographie der Werke 1666-2010. Taranto: Scorpione 2012. [ThULB Suche]

Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von: Der Aus dem Grab der Vergessenheit wieder erstandene Simplicissimus […], Nürnberg: Felßecker 1684 [1668]. [ThULB Suche]

Abb. 1
Abb. 2
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