Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: Februar 2021

vom 01.02.2021 bis 28.02.2021

Herzogin Dorothea von Kurland: Tagebuch des Jahres 1821

Dorothea von Kurland (1761-1821) war eine schillernde Persönlichkeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts. Als letzte Herzogin des im Zuge der Dritten Polnischen Teilung von 1795 an Russland gefallenen und damit zum Gouvernement gewordenen Herzogtums Kurland verkehrte sie in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen: Sie pflegte engen Kontakt zum preußischen Königshaus, nahm am Pariser Hofleben unter Napoleon teil und war mit Zar Alexander I, von dem sie finanziell abhängig war und der 1808 die Heirat der Tochter Dorothea ('Dorothée', 1793-1862) mit Edmond de Talleyrand-Périgord (1787-1872) vermittelte, persönlich bekannt. Mit dem Onkel ihres Schwiegersohnes, Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (1754-1838), der zwischen 1797 und 1815 französischer Außenminister war und als einer der bedeutendsten französischen Staatsmänner der Epoche gilt, verband sie eine intime Freundschaft. In Berlin und auf Schloss Löbichau (Altenburger Land) betrieb sie literarische Salons. An letzterem nahm u.a. auch der Dichter Jean Paul (1763-1825) teil.

Während des Wiener Kongresses 1814/15, bei dem es um die Neuordnung Europas nach dem Sieg über Napoleon ging, erregten auch Dorotheas Töchter Dorothée, Pauline (1782-1845) und Wilhelmine (1781-1839) einiges Aufsehen: Dorothée als Begleiterin des französischen Außenministers Talleyrand, Pauline als Geliebte des russischen Generals Ludwig von Wallmoden-Gimborn (1769-1862), eines Enkels des britischen Königs Georg II., sowie Wilhelmine als Liierte des österreichischen Außenministers Klemens Wenzel Lothar von Metternich (1773-1859). Letztere führte in Wien einen einflussreichen politischen Salon.

Das Jahr 2021 ist ein doppeltes Gedenkjahr: Vor 260 Jahren, am 3. Februar 1761, wurde Dorothea von Kurland in Mesothen (heute lettisch Mežotne) geboren. Vor 200 Jahren, am 20. August 1821, verstarb sie auf ihrem Gut in Löbichau.

Der Nachlass der Herzogin, welcher u.a. Tagebücher und Briefe umfasst, befindet sich im Bestand der ThULB. Unter den Briefen des Jahres 1821 findet sich auch ein auf den 3. Februar 1821 datierter Brief Wilhelmines, in welchem diese ihrer Mutter zu deren sechzigstem Geburtstag gratuliert. Von ihrem Schloss in Sagan (heute poln. Żagań) aus schreibt sie:

"Wenn ich auch heute nicht in Deiner lieben
Nähe bin mein geliebter Engel so ist doch mein
Geist um Dir, und meine innigen treuen Wünsche
begleiten Dich in diesem neuen Jahr - Möge des
Himmels bester Seegen über Dich walten Dich
geleiten und Dich lange lange den liebenden
Herzen Deiner Kinder erhalten - Wann wird
es uns denn einmal wieder vergönnt seyn
an diesem Tage Dich mit uns vereint zu
sehn, ich sehne mich recht darnach und sehe mit
Freude der Wahrscheinlichkeit entgegen das
Dein künftiges Geburtsfest uns alle um Dich
versammelt finden kann".

Dem Brief Wilhelmines ist ein Brief Carl Rudolf von der Schulenburgs (1788-1856) beigefügt. Wilhelmine war nach zwei gescheiterten Ehen seit 1819 mit dem Grafen verheiratet. Dieser schließt sich den Glückwünschen an und wirbt dabei unverkennbar um das Wohlwollen der Schwiegermutter:

"Erlauben Sie, beste Mutter, daß ich
Ihnen zu dem heutigen Tag, schriftlich
meine Glückwünsche darbringe, der Him-
mel gebe daß Sie ihn noch recht oft
froh und zufrieden erleben und daß
jeder Ihrer Wünsche in Erfüllung gehe.
Ich werde gewiß immer mehr suchen mich
Ihres Vertrauens würdig zu zeigen, und
soviel in meinen Kräften steht Wilhelmine
suchen glücklich zu machen, ich weiß daß
dieß das sicherste Mittel ist, mir Ihre
Zufriedenheit zu erwarten."

Die Glückwünsche erreichten Dorothea im fernen Paris, wo sie bereits seit 1809 ihren zweiten Wohnsitz unterhielt.

Ein üppiges Fest zu Ehren der Jubilarin, wie es aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung vielleicht zu erwarten gewesen wäre, wurde jedoch auf ausdrücklichen Wunsch der Herzogin nicht ausgerichtet. Dorothea ist nachdenklich gestimmt; zum Feiern ist ihr nicht zumute. Der entsprechende Tagebucheintrag der bereits von Krankheit Gezeichneten lautet:

"d3tn
Sonnabend
Mein Geburtstag stimmt mich ernst. Dieser Abschnitt des Lebens
ist eine Aufforderung mehr sich mit hohern Gegenständn zu beschäfti-
gen, und Gott gebe mir Trost und Ausdauer mich seines Schutzes immer
würdiger zu machen. - Meine Thüre war für alle zu, nur für
Dorothe nicht die zum diner kahm, die M*, ihre Tochter u. Thekla
gehören zu meinem häußlichen Leben. - Meine Hauß Genoßen
wünschten mir Glück. Gustav Parthey zähle ich dazu, der mir
hübsche Verse gab. - Meinen Leuthen gab ich Champagner, P[aris]
Gouté ich wollte diesen einen frohen Tag geben, u. reu[]ssirte. -"

Die Feier fand im engsten Kreise statt: Neben der Tochter Dorothée waren einige enge Freunde, darunter Thekla (vermutlich Podleska, Sängerin, 1764-1852) und der junge Philologe Gustav Parthey (1798-1872), mit dessen Eltern Dorothea eng befreundet war, anwesend. Es sollte Dorotheas letzter Geburtstag sein. Das Tagebuch schließt am 15. August 1821, fünf Tage vor ihrem Tod, mit den Worten:

"Mit meinem Befinden gehet es besser doch meine Kräfte sind von
der Arth daß ich den ha[l]ben Tag im Bette verbringe u. die an-
drn auf dem Sofa. Partheys verließen uns heute. -"

Signatur: Nachl. Biron, A, XIX

Ansprechpartner: Dr. Boris Hoge-Benteler

Literatur:

Brühl, Clemens: Die Sagan. Das Leben der Herzogin Wilhelmine von Sagan Prinzessin von Kurland. Berlin: Steuben 1941. (ThULB Suche)

Dorothea von Kurland: Tagebuch XIX. (Link zum Digitalisat)

Hofmann, Klaus; Adamek-Pujszo, Katarzyina: Die Herzogin von Kurland im Spiegel ihrer Zeitgenossen. "Ihr äußeres ist sehr einnehmend und sie kleidet sich mit Geschmack". Europäische Salonkultur um 1800. Zum 250. Geburtstag der Herzogin von Kurland. Posterstein: Museum Burg Posterstein 2011. (ThULB Suche)

Hofmann, Sabine; Hofmann, Klaus: Wo ich einst residierte - wo ich Fürstin des Landes war … Lebensstationen der Herzogin von Kurland. Posterstein: Museum Burg Posterstein 2007. (ThULB Suche)

Hofmann, Sabine; Hofmann, Klaus: Zwischen Metternich und Talleyrand. Der Musenhof der Herzogin von Kurland im Schloss zu Löbichau. Posterstein: Museum Burg Posterstein 2004. (ThULB Suche)

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