Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: August 2018

vom 01.08.2018 bis 31.08.2018

Omnes omnia omnino

Zehn Jahre nachdem durch den Westfälischen Frieden der Dreißigjährige Krieg beendet wurde, erschien in Nürnberg im Verlagshaus von Michael Endter die erste zweisprachige Ausgabe des Orbis Sensualium Pictus. Eine bebilderte Enzyklopädie, die in 150 Kapiteln die Elemente, Mineralien, die Pflanzen- und Tierwelt, den Menschen, seine physische Ausstattung und handwerklichen Kunstfertigkeiten, die Institutionen des sozialen und politischen Lebens sowie die historisch bekannten verschiedenartigen Formen des religiösen Glaubens darstellt.

Aufmerksamkeit erregte dieses Buch bereits bei seinem Erscheinen. Bestimmt für den Unterricht von Kindern - allen Kindern -, verwirklichte es die Idee, das Bild als optisch korrekte Darstellung des Textes und gleichzeitig als seine erkenntnismäßige Erweiterung und Anregung für textübergreifendes Selbstlernen zu verwenden. Es war das Ergebnis des Bestrebens, allen die Möglichkeit zu geben alles zu lernen, und zielte auf das Verstehen des Sinnzusammenhangs der Welt und die Erneuerung von Mensch, Kirche und Politik ab.

Es war nicht der erste Versuch einem Buch Bilder beizugeben, jedoch derjenige, der so erfolgreich wurde, dass das Werk in 22 Sprachen übersetzt und in mehr als 200 Auflagen über 200 Jahre herausgegeben wurde.

Das in der ThULB Jena befindliche Exemplar des Orbis Pictus ist eine ergänzte Neuauflage von 1746, in zwei Teilen mit weit mehr als 150 Kapiteln, leicht geändertem Titel und abweichenden Abbildungen.

In seinem Werk Dichtung und Wahrheit bezeichnete Goethe den Orbis Pictus als das beste Kinderbuch, das bis dato erschienen sei.

Der Autor dieses Lehrbuches für Kinder war Johann Amos Comenius. Geboren 1592 in Böhmen, gestorben 1670 in Amsterdam, verbrachte Comenius sein Leben in Tschechien, Deutschland, Polen, Großbritannien, Schweden, Ungarn und den Niederlanden. Am Ende seines Lebens schrieb er: "Mein Leben war ein Wandern, eine Heimat hatte ich nicht. Es war ein ruheloses, fortwährendes Umhergeworfenwerden, niemals und nirgends fand ich einen festen Wohnsitz." Dies mag dazu beigetragen haben, dass Comenius die Überzeugung vertrat, die Grenzen zwischen Menschen, Völkern und Staaten, den Konfessionen und den Weltanschauungen zu überwinden, damit Frieden einkehre und der Unvernunft ein Ende bereitet werde.

Der Ort um Menschen zu erneuern und sie in die Lage zu versetzen, der Unvernunft ein Ende zu bereiten, war die Schule. Eine neue Art Schule, in der allen alles von den Grundlagen an beigebracht wurde, eine Werkstatt der Menschen für die Menschen, die die besten Anlagen jedes Einzelnen herausbildet.

Die Erstausgabe wurde digitalisiert durch die HAB Wolfenbüttel, Sgn.: 47.7 Eth. (a).

Signatur: 8 Gl.I, 108

Ansprechpartnerin: Teresa Kilian

Literatur:

Golz, Reinhard/Werner Korthaase/Erich Schäfer (Hg.): Comenius und unsere Zeit. Geschichtliches, Bedenkenswertes und Bibliographisches. - Baltmannsweiler : Schneider-Verlag, Hohengehren, 1996. [ThULB Suche]

Dieterich, Veit-Jakobus: Johann Amos Comenius. - Reinbek : Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1991. [ThULB Suche]

Hornstein, Herbert: Die Dinge sehen, wie sie aus sich selber sind: Überlegungen zum Orbis pictus des Comenius. - (Comenius-Reden und -Beiträge/hrsg. von Werner Korthaase und Christoph Th. Scheilke). - Baltmannsweiler : Schneider-Verlag, Hohengehren, 1991. [ThULB Suche]

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