Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Ausstellungen in der ThULB

vom 09.05.2019 bis 13.12.2019

Do wart och Mildenfort reformert - Neue Einblicke in die alte Mildenfurther Klosterbibliothek

1193 gründeten die Vögte von Weida in der Nähe ihrer Residenz das Prämonstratenserstift Mildenfurth. Heinrich II. der Reiche brauchte gut ausgebildete Prediger für sein wachsendes Territorium und eine Grablege für seine aufstrebende Dynastie. Durch seinen mächtigen Kirchenbau war das Stift weithin sichtbar, und es machte als geistiger Mittelpunkt der Region immer wieder von sich reden: nicht nur, als dort die Ehe Heinrichs IV. von Weida und seiner Frau 1238 öffentlich geschieden wurde. Früh schon entstand eine Handbibliothek, die den Brüdern ihre Arbeit erleichtern sollte. Als dann das Stift in den Wirren der Reformation unterging und 1540 aufgehoben wurde, fanden repräsentative Reste seiner inzwischen bedeutend angewachsenen Bibliothek über Wittenberg und Weimar nach Jena und schließlich in die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB).

Der ganze Reichtum der Sammlung erschloss sich durch die neue Katalogisierung der Bände, deren erste Ergebnisse nach 2002 vorgelegt werden konnten. Zugleich tauchten viele Fragen auf: welche Handschriften wurden einst in Mildenfurth geschrieben? Welche wurden angekauft oder gestiftet? Im Zuge der Klosterreform, die um 1456 durchgeführt wurde, erwachte auch die Stiftsbibliothek zu neuem Leben. Sie äußerte sich in bibliothekarischer Fürsorge für die Bände, etwa in Titelschildern, Inhaltsverzeichnissen, hilfreichen Hinweisen des Bibliothekars, einem Bestandsverzeichnis und einem Aufstellungssystem. Querverweise und Lektürespuren lassen vor unseren Augen eine Bibliothek entstehen, die einst viel größer und reichhaltiger gewesen sein muss und die dem Orden dazu diente, seine Aufgaben in Predigt und Seelsorge auf hohem und zeitgemäßem Niveau vorzubereiten. Ein Blick in die Mildenfurther Bibliothek ist damit zugleich ein Blick in die Kultur des hohen und späten Mittelalters und ihre besondere Ausprägung an einem sagenumwobenen Ort.

Im Rahmen des EU-Projektes "Kulturweg der Vögte" (EFRE) hat sich ein Team aus Studierenden und Mitarbeitern der Technischen Universität Chemnitz unter Leitung von Professor Dr. Christoph Fasbender in Kooperation mit der ThULB Jena die Mildenfurther Bestände genauer angesehen und einige Fragen der Bestands- und Bibliotheksgeschichte neu angefasst.

Herausgekommen ist ein Katalog, der versucht, die Sammlung in ihren Eigenarten zu verstehen und zu beschreiben. Die Erarbeitung mündet in eine Ausstellung in der ThULB Jena, die nicht nur erstmals sämtliche erhaltenen Mildenfurther Handschriften und Drucke des 10. bis 16. Jahrhunderts zeigt, sondern auch versucht, das Wachsen und Werden der spätmittelalterlichen Bibliothek im Zeitalter der Kirchenreformen - und als deren Ergebnis - zu verstehen.

Die Ausstellung kann montags bis freitags von 09:00 bis 16:00 Uhr sowie nach vorheriger Anmeldung an der Zentralen Information (Tel. 03641 9-40100 oder E-Mail) besichtigt werden.

Ausstellungsort ist der Zimelienraum im Bibliothekshauptgebäude mit Teilbibliothek Geisteswissenschaften.

Ansprechpartner für die Ausstellung ist Herr Dr. Joachim Ott.

 | ThULB Suche | Online-Katalog | Benutzerkonto