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Predatory Publishing

Nachricht vom : 25.07.2018

Kürzlich berichteten verschiedene überregionale Tages- und Wochenzeitungen, TV-Sender und andere Medien unter Schlagwörtern wie "Pseudo-Journale" oder "Fake-Zeitschriften" über die Existenz und dubiosen Geschäftspraktiken vermeintlicher wissenschaftlicher Verlage. Zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland haben bereits bei derartigen Anbietern publiziert.

Was ist Predatory Publishing?

Predatory Publishing bezeichnet das Geschäftsmodell vermeintlicher wissenschaftlicher Verlage bzw. Online-Fachzeitschriften, welche - unter dem Label "Open Access" - die Veröffentlichung wissenschaftlicher Aufsätze gegen Gebühr anbieten. Eine strenge inhaltliche und unabhängige Qualitätsprüfung (Peer Review) der eingereichten Arbeiten sowie eine professionelle redaktionelle Bearbeitung der Artikel - Prozesse und Dienstleistungen, die in renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschriften zu den Standards der wissenschaftlichen Qualitätssicherung gehören - finden nicht statt.

Während sich bei manchen dieser Anbieter die zweifelhaften Absichten unmittelbar entdecken lassen, da zum Beispiel Einladungsschreiben und Webseiten zahlreiche orthographische und grammatikalische Fehler aufweisen, ist bei anderen Zeitschriften oder Verlagen eine umfangreichere Überprüfung erforderlich, um die zweifelhaften Praktiken zu erkennen. Zahlreiche Predatory-Zeitschriften passen ihre Website und/oder Namensgebung und die grafische Gestaltung an das äußere Erscheinungsbild und den Titel renommierter Fachjournale an, um damit wissenschaftliche Qualität vorzutäuschen. Gelegentlich werden auch die Namen renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Herausgeber aufgeführt, ohne dass die Personen darüber informiert sind.

Vorsichtsmaßnahmen

Insbesondere bei weniger bekannten Zeitschriften und/oder Verlagen ist vor der Beitragseinreichung eine genaue und kritische Prüfung dringend anzuraten. Einen guten Einstieg bietet das Directory of Open Access Journals (DOAJ), in dem qualitätsgesicherte Open-Access-Zeitschriften verzeichnet sind. Vor der konkreten Beitragseinreichung empfehlen sich folgende Prüfschritte, welche sich an den Hinweisen der Bibliothek der Universität Maastricht orientieren:

  • Ist die ISSN der Zeitschrift korrekt?
  • Wird die Zeitschrift von anerkannten Datenbanken ausgewertet?
  • Ist der Verlag Mitglied von "Open Access Scholarly Publishers Association" (OASPA) oder des "Committee on Publication Ethics" (COPE)
  • Ist die Zeitschrift im "Journal Citation Reports" oder in anderen etablierten Metriken ausgewertet?
  • Wie ist der Status des Herausgebers? Taucht dieser ggf. in mehreren fachlich nicht zusammengehörigen Zeitschriften auf etc.?
  • Ist die Internetpräsenz/Plattform des Anbieters stimmig oder enthält sie Fehler, Standardfloskeln etc.?
  • Werden nicht realistische Angaben oder Versprechungen in Hinblick auf den zeitlichen Ablauf des Peer Review gemacht?
  • Sind die vertraglichen Vereinbarungen seriös? Bei der Publikation in Open-Access-Zeitschriften sollten die Autorinnen und Autoren ihr Nutzungsrecht behalten, Artikelgebühren erst nach Akzeptanz oder Publikation bezahlen und auf der Webseite klare Angaben zur Höhe der Kosten finden.
  • Auch die Checkliste von Think!Check!Submit! bietet hilfreiche Anregungen, um sich vor dem Einreichen eines Artikels einen Eindruck von der Seriosität eines Journals zu verschaffen.

Sie haben Fragen zu einem konkreten Verlag oder zu einem bestimmten Journal? Sie planen eine Veröffentlichung oder einen Konferenzbeitrag?
Unser Team E-Publizieren berät Sie jederzeit gerne. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

Konferenzen

Vor allem Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler erhalten nach öffentlich beworbenen Fachkonferenzen, auf denen sie einen Vortrag gehalten haben, oft Angebote von Verlagen zur Veröffentlichung des verschriftlichten Vortrags in einer angeblichen Fachzeitschrift/Konferenzreihe. Auch hier gilt es, entsprechende Angebote stets kritisch zu prüfen.

Eine weitere Form sind so genannte Scheinkonferenzen von Anbietern, die massiv um Einreichung von Beiträgen für angebliche internationale Konferenzen werben und von Referentinnen und Referenten ungewöhnlich hohe Teilnahmegebühren verlangen. Nach Eingang der Teilnahmegebühr werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann häufig kurzfristig informiert, dass die Konferenz nur virtuell oder in deutlich reduziertem Umfang stattfindet. Die eingereichten Beiträge werden anschließend häufig ohne weitere Bearbeitung veröffentlicht. Bereits bezahlte Gebühren werden in der Regel nicht erstattet.

Sind Open-Access-Zeitschriften grundsätzlich problematisch?

Teilweise wird "Predatory Publishing" von Kritikern als Argument gegen das Open-Access-Publizieren angeführt. Hier muss jedoch klar differenziert werden: Das Gros der am Markt agierenden Open-Access-Zeitschriften entspricht den etablierten strengen wissenschaftlichen Standards und setzt Peer-Review-Verfahren ein. Predatory-Zeitschriften und -Verlage stellen gleichsam "schwarze Schafe" im wissenschaftlichen (Open-Access)-Publikationswesen dar. Sie praktizieren das auf Publikationsgebühren basierende Geschäftsmodell, welches auch von vielen Open-Access-Zeitschriften genutzt wird. Bei einem qualitätsgesicherten Open-Access-Journal wird die Gebühr jedoch erst nach der Entscheidung über die Annahme einer Publikation auf Basis der Ergebnisse des Peer-Review-Verfahrens erhoben.

Kontakt

Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB)
Ansprechpartnerin: Angela Hammer
Bibliotheksplatz 2
07743 Jena
Tel.: +49 3641 9-40049
E-Mail

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