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2. 'Segremors'


Pergament (1 Blatt), 43,7 x 33 cm (Weimar) (1 Doppelblatt), 47,5 x 36,7 cm (Gotha)

Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt / Gotha · Memb. I 133
Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar · Ernestinisches Gesamtarchiv, Reg. V 1

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Ein unbekannter, gewiss mitteldeutscher, vielleicht thüringischer Autor hat der arthurischen Nebenfigur Segremors um 1250 (oder später) einen eigenen Roman gewidmet. Sehr wahrscheinlich arbeitete er nach dem 'Meraugis de Portlesguez' des Raoul de Houdenc (um 1215). Insgesamt kennen wir 571 Verse (Gesamtlänge 'Erec': ca. 10000; 'Iwein': ca. 8000; 'Wigalois': ca. 12000). Der Inhalt lässt sich daher nur anhand einer Vorentscheidung über die Nähe zur französischen Quelle rekonstruieren.

Offensichtlich besitzen wir Passagen aus dem vorderen Bereich der Dichtung: Im Weimarer Bruchstück (144 Verse) bricht Segremors in Begleitung seiner Minnedame Nyobe gegen den Widerstand des Zwergen Malgrim auf, um Ga­wein zu helfen. Im Gothaer Fragment (288 Verse) verspricht Segremors Ma­nion, Rache zu nehmen an einem brutalen Ritter. Auf der Suche nach Gawein kommt er zu einem Fest, bei dem der Turniersieger aus den Heiratswilligen Paare bestimmen darf (B I). - Auf einer idyllischen Insel soll Segremors gegen einen von einer Fee gefangenen Ritter (bei Raoul: Gawein!) kämpfen, der Sie­ger muss als Liebhaber der Fee dort verbleiben (B II). Aus dem Krakauer Fragment (C), das zu einer anderen Handschrift (um 1300, 139 Verse) gehört, ist noch eine List zu ergänzen: Segremors und Gawein verabreden in einem vorgetäuschten Kampf, dass Gawein sich gefangen nehmen lassen solle, um den in einer Burg festgesetzten Segremors und Nyobe zu helfen.

Der 'Segremors', der Artus- und Feenroman phantasievoll verbindet, war kein Erfolgstext. Beide Handschriften weisen thüringische Spracheigentümlich­keiten auf.

Christoph Fasbender

Literatur: Marburger Repertorium

Bildmaterial: Digitalisate - Memb. I 133

Bildmaterial: Digitalisate - Ern. Ges.arch., Reg. V 1

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