Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: September 2016

vom 01.09.2016 bis 30.09.2016

Carl Zeiss: Optische Werkstätte Jena - Mikroskope und mikroskopische Hilfsapparate. Jena: Pohle 1889.

Am 11. September jährt sich der Geburtstag von Carl Zeiss (1816-1888) zum 200. Mal. Zeiss war ein typischer Vertreter einer sich insbesondere in Deutschland herausbildenden neuen Unternehmergeneration, die sich durch Risikobereitschaft, Disziplin und Durchsetzungsvermögen auszeichnete. Er lebte und wirkte in einer Zeit gewaltiger technischer, sozialökonomischer und wissenschaftlicher Umbrüche, die einen großen Aufschwung der Produktion ermöglichten.

Schon mit seiner Ausbildung zum Mechaniker und zum Handwerksmeister, die er 1834 beim Hofmechanikus und Privatdozenten Dr. Friedrich Körner (1778-1847) begann, war sein berufliches Wirken aufs Engste mit der Universität Jena verknüpft. Nach dem ersten Lehrjahr konnte er sich als Mathematikstudent der Universität eintragen und pro Semester eine Vorlesung (Mathematik, Experimentalphysik, Mineralogie und Optik) besuchen. Nach Abschluss seiner Lehre begab sich Zeiss von 1838 bis 1845 auf Wanderschaft. Im November 1846 eröffnete er seine erste Werkstatt in der Jenaer Neugasse. 1847, nach dem Tod Körners, forderte der Botaniker Matthias Jacob Schleiden (1804-1881) Zeiss auf, den handwerklichen Mikroskopbau seines ehemaligen Lehrmeisters fortzusetzen. In den ersten zehn Jahren seines selbstständigen Schaffens fertigte und verkaufte Zeiss insgesamt 365 Mikroskope. Ab 1856 begann er, die ersten aus Objektiv und Okular zusammengesetzten Mikroskope zu bauen. 1858 erfolgte der Umzug in eine Werkstatt am Johannisplatz.

Zeiss wurde 1860 zum Universitäts- und 1862 zum Hofmechanikus ernannt. 1866 konnte Zeiss den jungen Ernst Abbe (1840-1895), der an der Universität Jena als Privatdozent für Mathematik und Physik tätig war, als wissenschaftlichen Mitarbeiter für seine Werkstätte gewinnen. Im Jahr 1880 würdigte die Jenaer Universität die großen Verdienste von Zeiss um die Weiterentwicklung der Mikroskope mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät.

Zeiss bot ein modulares Lieferprogramm an, was von der Fachwelt positiv wahrgenommen wurde. Bei dem vorliegenden Band Optische Werkstätte Jena - Mikroskope und mikroskopische Hilfsapparate handelt es sich um einen Katalog der optischen Werkstätte Carl Zeiss aus dem Jahr 1889. Objektive, Okulare, Stative und Hilfsapparate für Mikroskope (z.B. Beleuchtungsapparate, Polarisationseinrichtungen und Spektralokulare) werden mit ihren Kaufpreisen versehen präsentiert. In einem Einleitungstext wird betont, dass es bezüglich der optischen Ausrüstung der Mikroskope in den vergangenen vier Jahren große Fortschritte gegeben habe. In Zusammenarbeit mit dem Glastechnischen Laboratorium Schott & Genossen, welches eine Reihe neuer Glasarten (Borat- und Phosphatgläser) für den optischen Einsatz hergestellt hatte, wurde es möglich, neue Mikroskopobjektive zu produzieren. Außerdem heißt es: Unsere Objective werden sämmtlich nach den Berechnungen von Professor Abbe in Jena und unter dessen beständiger Mitwirkung construirt.

Die Abbildung zeigt einen Beleuchtungsapparat nach Abbe (Abbescher Kondensator) für weißes Licht, der im Katalog wie folgt beschrieben wird: Das Wesentliche an demselben ist ein Condensorsystem von sehr kurzem Focus, welches die von dem Plan- oder Hohlspiegel ausgehenden Lichtstrahlen in einen Strahlenkegel von sehr grosser Apertur sammelt und im Object vereinigt.

Signatur: 8 Phys.IV,219/15 :28

Ansprechpartner: Dr. Kirsten Gerth

LITERATUR:

Stolz, Rüdiger: Carl Zeiss und Ernst Abbe. Leben, Wirken und Bedeutung. Jena: Univ.-Verlag, 1994. (ThULB Suche)

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