Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: September 2014

vom 01.09.2014 bis 30.09.2014

August Wilhelm Iffland: Die Hagestolzen. Ein Lustspiel in 5 Aufzügen. Leipzig: Göschen 1793 (Erstausgabe)

August Wilhelm Iffland (1759-1814) war eine der herausragendsten Persönlichkeiten der deutschsprachigen Theaterlandschaft um 1800: Als Schauspieler vielgerühmt, als Regisseur und Intendant überaus erfolgreich, beherrschte er, neben Kotzebue, auch als erfolgreicher Dramenautor die deutschen Bühnen. Madame de Staël urteilte in De l'Allemagne (1813) über ihn: "Iffland ist der erste Schauspieler, den Deutschland besitzt, und einer der geistvollsten deutschen Schriftsteller." Anlässlich seines 200. Todestages stellen wir Ihnen in diesem Monat die Erstausgabe von Ifflands Erfolgsstück "Die Hagestolzen" (1793) aus den Beständen der ThULB vor.

Der gebürtige Hannoveraner Iffland entschied sich gegen den Willen der Eltern für eine Schauspielkarriere, die er 1777 am Hoftheater in Gotha begann und ab 1779 in Mannheim fortsetzte. Hier erzielte er 1782 bei der Uraufführung von Schillers "Die Räuber" in der Hauptrolle des Franz Moor einen durchschlagenden Erfolg. Schiller würdigte seine Leistung mit der Äußerung: "Teutschland wird in diesem jungen Mann noch einen Meister finden." 1796 schließlich übernahm Iffland die Direktion des Berliner Nationaltheaters, eine Position, welche er bis zu seinem Tod 1814 innehatte. Sein lange Zeit verschollen geglaubter Nachlass kam 2013 auf spektakuläre Weise wieder ans Tageslicht.

Ifflands Lustspiel "Die Hagestolzen" wurde 1791 in Breslau uraufgeführt und erschien 1793 erstmals in gedruckter Form. Es behandelt das Thema des Junggesellendaseins und der Eheschließung sowie den Gegensatz von Stadt und Land: Hofrat Reinhold ist, obschon bereits "ein Vierziger", noch immer unverheiratet. Der Preis für seine unabhängige Existenz sind Einsamkeit, Bindungslosigkeit und Lebensüberdruss. Diesem zu entkommen, erwägt er zu heiraten, doch seine intrigante Schwester stellt sich diesem Ansinnen mithilfe seines Dieners in den Weg. Schließlich verlässt der Hofrat die Stadt und zieht sich aufs Land zurück. Das redlich-glückliche Leben seines Pächters und dessen Familie erfährt er als rousseauistische Gegenwelt zur städtischen Glücklosigkeit. Er verliebt sich in die Schwägerin des Pächters und heiratet sie. Goethe nannte "Die Hagestolzen" "ohne Frage Ifflands bestes Stück", dessen beide letzten Akte "als eins der schönsten Erzeugnisse Ifflands" zu betrachten seien.

In den Monaten März und April 1796 hielt sich Iffland zu einem Gastspiel in Weimar auf. Auch "Die Hagestolzen" standen auf dem Programm. Goethe rühmt Ifflands "große Fähigkeit […] auf die Eigenheiten der Menschen aufzumerken und sie in ihren charakteristischen Zügen wieder darzustellen […] so wie die Weite seiner Vorstellungskraft, und die Geschmeidigkeit seiner Darstellungsgabe." Karl August Böttiger widmete den Leistungen Ifflands während dieser Wochen eine eigene Publikation.

Signatur: 8 Art.lib.XIV,889/4

Ansprechpartner: Dr. Boris Hoge-Benteler

Literatur

Böttiger, Karl August: Entwickelung des Ifflandischen Spiels in vierzehn Darstellungen auf dem Weimarischen Hoftheater im Aprilmonath 1796. Leipzig: Göschen 1796. (Online-Katalog)

Dehrmann, Mark-Georg u.a.(Hgg.): Ifflands Dramen. Ein Lexikon. Hannover: Wehrhahn 2009. (Online-Katalog)

Goethe, Johann Wolfgang von: Goethe an J. H. Meyer, 18.4.1796. In: Ders.: Sämtliche Werke. Briefe, Tagebücher und Gespräche. Bd. 31: Mit Schiller. Briefe, Tagebücher und Gespräche 24. Juni 1794 bis 9. Mai 1805, Teil 1. Hrsg. v. Volker C. Dörr u.a. Frankfurt a. M.: Dt. Klassiker Verlag 1998, S. 179-182. (Online-Katalog)

Goethe, Johann Wolfgang von: Sämtliche Werke. Briefe, Tagebücher und Gespräche. Bd. 39: Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens. Hrsg. v. Christoph Michel. Frankfurt a. M.: Dt. Klassiker Verlag 1999, S. 106 [Eintrag vom 30.3.1824]. (Online-Katalog)

Goethe, Johann Wolfgang von: Zu Schillers und Ifflands Andenken [1815]. In: Ders.: Sämtliche Werke. Briefe, Tagebücher und Gespräche. Bd. 19: Ästhetische Schriften 1806-1815. Hrsg. v. Friedmar Apel. Frankfurt a. M.: Dt. Klassiker Verlag 1998, S. 695f. (Online-Katalog)

Schiller, Friedrich: Über die Vorstellung der Räuber [1782]. In: Schillers Werke. Nationalausgabe. Im Auftr. des Goethe- und Schiller-Archivs u. d. Schiller-Nationalmuseums hrsg. v. Julius Petersen u.a. Bd. 22: Vermischte Schriften. Weimar: Böhlau 1958, S. 309-311. (Online-Katalog)

Staël, Anne Germaine de: Über Deutschland. Vollst. und neu durchges. Fassung der deutschen Erstausg. von 1814 in der Gemeinschaftsübers. v. Friedrich Buchholz u.a. Hrsg. u. mit einem Nachw. vers. v. Monika Bosse. Frankfurt a. M.: Insel 1985. (Online-Katalog)

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