Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: November 2014

vom 01.11.2014 bis 30.11.2014

GEORG FORSTER: ZWEI AQUARELLZEICHNUNGEN (PINGUINE)

Georg Forster (1754-1794) war Naturforscher, Ethnologe, Reiseschriftsteller und Revolutionär. Seine "Reise um die Welt" machte ihn berühmt. Friedrich Schlegel bescheinigte seinen Schriften "etwas wahrhaft Großartiges und beinah Erhabnes". Mit der Verbindung ästhetischer und wissenschaftlicher Ambitionen gilt er als Neubegründer der modernen Reiseliteratur sowie als Wegbereiter für die Wissenschaftsprosa eines Alexander von Humboldt oder Adelbert von Chamisso. Darüber hinaus war er ein überaus talentierter Zeichner. Vor 260 Jahren (27.11.) wurde Georg Forster bei Danzig geboren, vor 220 Jahren (10.1.) ist er in Paris gestorben. Dieses Doppeljubiläum nehmen wir zum Anlass, Ihnen zwei Aquarellzeichnungen Forsters aus den Beständen der ThULB vorzustellen: einen Zügel- sowie einen Magellanpinguin.

Von 1772 bis 1775 nahm Forster gemeinsam mit seinem Vater, dem Naturforscher Johann Reinhold Forster, als Zeichner an James Cooks zweiter Weltumsegelung teil: eine sein gesamtes späteres Tun und Denken prägende Erfahrung. Die dreijährige Expedition führte von Plymouth über die Kapverdischen Inseln und Kapstadt zum südlichen Polarkreis, nach Neuseeland und zu unterschiedlichen Inseln des Südpazifiks. Forster zeichnete während dieser Zeit mehrere Hundert, zu einem guten Teil noch unbekannte Tier- und Pflanzenarten.

Bald nach ihrer Rückkehr sah sich Johann Reinhold Forster aus finanziellen Gründen gezwungen, die Originalzeichnungen seines Sohnes an den reichen Privatgelehrten Sir Joseph Banks zu verkaufen, weshalb lediglich die Beschreibung des floristischen Materials sowie zweier Vogelfamilien (Pinguine und Albatrosse) gelang. Nach Banks Tode gelangten die Zeichnungen 1827 an das British Museum und 1881 an das Natural History Museum, wo sie sich noch heute befinden. Von mehreren Blättern liegen jedoch Kopien vor, welche z.T. von Forster selbst bzw. auf Wunsch der Forsters durch Künstler angefertigt wurden.

Bei den beiden vorliegenden Pinguindarstellungen handelt es sich zweifellos um von Forster gezeichnete Kopien. Sie gelangten durch den Medizinprofessor Ludwig Friedrich von Froriep an die ThULB Jena. Froriep war der Schwiegersohn des Weimarer Verlegers Friedrich Justin Bertuch, welcher mit beiden Forsters befreundet war. Die Aquarellzeichnungen zeichnen sich durch eine präzise Abbildung von Farbe, Haltung und Körperproportionen aus. Eine besondere Leistung Forsters, dem an der Darstellung des 'Ganzen der Natur' gelegen war, besteht ferner darin, dass er die Tiere, wie im Falle der Flügelpinguine, durch die Einfügung landschaftlicher Details (Felsen, Meer) in dem für sie typischen Lebensraum abbildete.

Signatur: Ms.Prov.f.185

Ansprechpartner: Dr. Boris Hoge-Benteler

LITERATUR

Forster, Georg: Reise um die Welt. Illustriert v. eigener Hand. Mit einem biogr. Essay v. Klaus Harpprecht und einem Nachw. v. Frank Vorpahl. Frankfurt a. M.: Eichborn 2007. (Online-Katalog)

Fritzsche, Diedrich: Georg Forsters Zeichnungen von der 2. Cookschen Weltumsegelung 1772 bis 1775. In: Polarforschung 75 (2005), H. 1, S. 37-42. (Online-Katalog)

Steiner, Gerhard; Baege, Ludwig: Vögel der Südsee. 23 Gouachen und Aquarelle nach Zeichnungen Georg Forsters, entstanden während seiner Weltumsegelung 1772-1775. Leipzig: Insel 1971. (Online-Katalog)

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