Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: Mai 2017

vom 01.05.2017 bis 31.05.2017

Denn wer den Schatz, das Schöne, heben will, bedarf der höchsten Kunst

"Wer sich mit denen Geistern ergeben will, der muß sich vorhero wohl prüfen, ob er hiervon auch Nutzen haben kann, denn sonst wäre alle seine Mühe vergebens. Dahero wenn du einen Geist ruffest, so must du wissen zu was Ende du denselben haben willst, denn die Geister sind nicht einerley. Zum Exempel du verlangest Geld, entweder von den Schätzen oder auch ohne dieselben so Kannst du den Aciel vorhero auf einen Scheide Wege ruffen, als denn an bewusten Orten. Verlangest du aber Künste, Wissenschafften oder etwas anders, so must du auch den Geist, worüber er gesetzt ist, ruffen. Hierbey aber merke, daß dir Kein Geist pariret, wo du

  1. In der göttlichen Schrifft nicht wohl erfahren bist
  2. ist es nöthig, daß du deine Natur untersuchest, ob dir auch die Geister zugethan sind.
  3. Ob du grobe und frevelhafte Sünden begangen.
  4. Ob du fleißig zur Kirche und heiligen Nachtmahl gegangen und etliche Tage vorhero solches empfangen hast.
  5. Ob du keusch und ohne Wollust mit Weibs Personen überhaupt gelebet.
  6. Ob du stets erbar in reinlicher Kleidung und süßen Geruch, wie auch stille, verschwiegen und an einen geheimen Orthe bist.
  7. Ob du alle Zubereitungen, einen Exorcismum gelehrt anzustellen, angeschaffet, auch des Lesens und Schreibens sehr wohl erfahren bist.

Wenn du dieses alles wohl observiren wirst, so wird dein Begehren ohne Zweifel erfüllet werden. Nur wiße, daß jeder Geist das erste mahl auf einem Creutzwege zu citiren ist."

Doktor Johannes Faust's Magia naturalis et innaturalis, S. 11 f. (Signatur: 8 MS 3578)

Etwa seit der Mitte des 18. Jahrhunderts lässt sich die Existenz von Zauberbüchern nachweisen, der Zeit in dem bürgerliche und unterbürgerliche Schichten beginnen, sich mit der Herstellung von Zauberschriften zu befassen. Die magische Wirksamkeit dieser Schriften wurde dabei nach dem angeblichen Alter der ursprünglichen Handschrift und der auctoritas des behaupteten Verfassers bestimmt. Tatsächlich sind die Texte dieser Zauberbücher, wie z. B. die Faustischen Höllenzwänge oder das 6. und 7. Buch Mosis, erst ab der frühen Neuzeit nachweisbar.

Die dem "Schwarzkünstler" Johann Faust (ca. 1480 - ca. 1540) zugeschriebenen Höllenzwänge geben dem Nutzer die Möglichkeit Zwang über die Geschöpfe der Hölle auszuüben. Neben der Darstellung der Wesen und ihrer Besonderheiten (Abb. 1 und 3), werden auch die benötigten Siegel (Abb. 2), Zauberzeichen und Rituale aufgeführt und beschrieben.

Bei der Beschwörung von Dämonen ging es häufig um das Auffinden und Heben von verborgenen Schätzen, so auch in der durch eine gerichtliche Untersuchung dokumentierten Jenaischen Christnachttragödie von 1715: Der Leipziger Medizinstudent Johann Gotthard Weber plante gemeinsam mit dem Schäfer Hans Friedrich Geßner und dem Bauern Hans Zenner durch die Beschwörung eines Dämons einen im Dreißigjährigen Krieg verborgenen Schatz zu heben. Das Unterfangen war nicht von Erfolg gekrönt. Geßner und Zenner wurden am ersten Weihnachtsfeiertag tot aufgefunden, wodurch das Gericht auf den Fall aufmerksam wurde. Der einzige Überlebende der Beschwörung, Weber, wurde nicht ansprechbar, lallend und mit "gräßlich und fürchterlichem Gesichte" am Ersten Weihnachtsfeiertag aufgefunden.

Die Leichen Geßners und Zenners wurden obduziert, ehe sie am 11. Januar 1716 Schwerverbrechern gleich durch die Stadt zum Galgen gebracht und dort verscharrt wurden. Obwohl sich Untersuchungskommission und Gerichtsmediziner weitgehend darüber einig waren, dass die Todesursache wohl eine Kohlenmonoxydvergiftung war, konnte nicht geklärt werden woher die am Körper sowohl des Überlebenden als auch der beiden Toten gefunden Striemen, Flecken und Geschwulste stammten.

Ansprechpartnerin: Teresa Kilian

Literatur:

Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Der Tragödie zweyter Theil in fünf Acten. - Stuttgart : Cotta, 1832. (ThULB Suche) (Externer Link zum Volltext)

Doktor Johannes Faust's Magia naturalis et innaturalis, oder dreifacher Höllenzwang, letztes Testament und Siegelkunst/herausgegeben in fünf Abtheilungen, mit einer Menge illuminierter Abbildungen auf 146 Tafeln. - Stuttgart : Scheible, 1849. (ThULB Suche)

Bachter, Stephan: Anleitung zum Aberglauben : Zauberbücher und die Verbreitung magischen "Wissens" seit dem 18. Jahrhundert. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg/ vorgelegt von Stephan Bachter. - Hamburg, 2005. (Externer Link zum Volltext)

Daxelmüller, Christoph: Aberglaube, Hexenzauber, Höllenängste : Eine Geschichte der Magie. Mit 48 Abbildungen / Christoph Daxelmüller. - München : dtv, 1996. (ThULB Suche)

Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3
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