Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: Juni 2015

vom 01.06.2015 bis 30.06.2015

Stamm-Buch der Jenaischen Burschenschaft

Vor 200 Jahren wurde in Jena die erste deutsche Burschenschaft, die so genannte Urburschenschaft, gegründet.

Während der Napoleonischen Ära entwickelte sich innerhalb der Studentenschaft zunehmend ein deutscher Patriotismus. Ideale wie die Belebung des deutschen Geistes, die "moralische Verbesserung" der Studentenschaft und vor allem die deutsche Einigung stießen an deutschen Universitäten auf große Resonanz.

Um 1815 waren Studenten vor allem in Landsmannschaften organisiert. Dabei schlossen sich Studenten gleicher regionaler Herkunft zu lokalen Gruppen an einer Universität zusammen. Die Jenaer Studenten erachteten diese Landsmannschaften als Symbol der staatlichen Zersplitterung Deutschlands. Mit ihrem Streben nach einer deutschen Einigung war diese Organisationsform schwer vereinbar. Vor diesem Hintergrund lösten sich am 29. Mai 1815 die bis dahin in Jena existierenden Landsmannschaften Thuringia, Vandalia, Franconia, Saxonia und Curonia auf und gründeten zwei Wochen später, am 12. Juni 1815, vor dem Gasthaus "Grüne Tanne" in Wenigenjena die Burschenschaft. An dem Gründungsakt, bei dem das von Ernst Moritz Arndt (1769-1860) verfasste und von dem Jenaer Theologiestudenten Georg Friedrich Hanitsch (1790-1865) vertonte "Bundeslied" erstmals gesungen und der Entwurf für eine Verfassung verlesen wurde, nahmen 143 Studenten teil.

Zwischen ihrer Gründung und der durch Richtungskämpfe bedingten ersten Auflösung im November 1819 gehörten der Urburschenschaft insgesamt 859 Studenten an. Damit waren circa 60 Prozent aller zwischen dem Sommersemester 1815 und dem Wintersemester 1819/20 in Jena Immatrikulierten Mitglied dieser Vereinigung. Ein vollständiges Personenverzeichnis enthält das "Stamm-Buch der Jenaischen Burschenschaft". Das Original befindet sich heute im Besitz der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller. 1930 erschien erstmals eine gedruckte Ausgabe, die auch die frühen Matrikel 1815-1819/20 enthält. Die ThULB verfügt über verschiedene Druckausgaben des Stammbuchs.

Mit Mitgliedsnummer 1 ist der Mecklenburger Theologiestudent Karl Horn (1794-1879) im Stammbuch aufgeführt. Horn war am 12. Juni 1815 zum ersten Sprecher der Urburschenschaft ernannt worden. Zu den prominenteren Personen aus dem Kreis der Urburschenschafter zählen u.a. Carl Wilhelm von Knebel (1796-1861, Nr. 51), ein illegitimer Sohn des Großherzogs Carl August von Sachsen-Weimar, Ernst von Schiller (1796-1841, Nr. 55), Sohn des Dichters Friedrich von Schiller (1759-1805), der Theologe Heinrich von Ranke (1798-1876, Nr. 170), ein Bruder des Historikers Leopold von Ranke (1795-1886), sowie der spätere Jenaer Verleger Friedrich Johann Frommann (1797-1886, Nr. 179) und der spätere Paulskirchen-Präsident Heinrich von Gagern (1799-1880, Nr. 598).

Signatur: 8 Hist.lit.VI,65/2(9)

Ansprechpartner: Angela Hammer

Literatur:

Haupt, Herman: Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung, Bd. 1, Heidelberg 1910. ThULB Suche

Kaupp, Peter: Stamm-Buch der Jenaischen Burschenschaft: Die Mitglieder in der Urburschenschaft 1815-1819 (Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen, Bd. 14), Köln 2005. ThULB Suche

Keil, Robert: Gründung der deutschen Burschenschaft in Jena, Jena ²1883. ThULB Suche

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