Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: Februar 2014

vom 01.02.2014 bis 28.02.2014

Galileo Galilei: Systema Cosmicum

2014 jährt sich der Geburtstag von Galileo Galilei zum 450. Mal. Der am 15. Februar 1564 in Pisa geborene und 1642 in Arcetri bei Florenz gestorbene Physiker, Mathematiker und Astronom gilt als Begründer der klassischen Mechanik und der Methodologie der exakten Naturwissenschaften. Seine astronomischen Entdeckungen mit dem Fernrohr ließen ihn für das heliozentrische Weltbild des Kopernikus (1473-1543) Partei ergreifen.

1632 wird sein Werk Dialogo dei Massimi Sistemi (Dialog über die zwei grundsätzlichen Weltsysteme, das ptolomaeische und das copernicanische) in Florenz gedruckt. Das Buch ist literarisch gekonnt auf eine größtmögliche Wirkung hin konzipiert und nicht, wie bei wissenschaftlichen Werken damals üblich, auf Lateinisch, sondern auf Italienisch verfasst. Es ist in der Form eines leicht lesbaren Dialoges zwischen einem Wissenden (Salviati), einem Fragenden (Sagredo) und einem Dummen (Simplico) geschrieben. Die drei Männer treffen in einem venezianischen Palast aufeinander, um vier ganze Tage über "Gottes Wunder im Himmel und auf Erden" zu diskutieren und zu entscheiden, welches der beiden Weltsysteme das richtige ist: das ptolemaeische oder das kopernikanische.

Das Werk wurde mit dem kirchlichen Edikt vom 22. Juni 1633 verboten. Eine lateinische Übersetzung durch den Straßburger Mathematiker und Philologen Matthias Bernegger (1582-1640), die in der Druckerei Elzevier in Leiden veröffentlicht wurde, ermöglichte dem Text im Europa des 17. Jahrhunderts dennoch eine weite Verbreitung. Der 1633 gegen Galilei eröffnete Inquisitionsprozess endete für ihn mit dem Widerruf der kopernikanischen Lehre und lebenslangem Arrest. Erst 1835 gab die katholische Kirche die Schrift wieder zur Lektüre frei. 1992 wurde Galilei von Papst Johannes Paul II. offiziell rehabilitiert.

Galilei hatte schon früh die Bedeutung bildlicher Botschaften erkannt und sie bewusst im Rahmen seiner Publikationstätigkeit eingesetzt. Die seinen Werken beigefügten Illustrationen sind Ausdruck seiner Position gegen das geozentrische Weltbild und der Forderung nach Anerkennung mathematischer Methoden in der Astronomie und Naturphilosophie. Im Kupferstich von Jacob van der Heyden (1573-1645) nehmen Aristoteles und Ptolemäus finster blickend die linke Bildhälfte ein. Die rechte Bildhälfte wird allein von Kopernikus ausgefüllt. Er sucht den Blickkontakt mit dem Betrachter, als wolle er um Hilfe in einem aussichtslosen Gespräch bitten. Zwischen Aristoteles und Ptolemäus liegt ein Köcher mit Pfeilen auf dem Boden, zu Füßen des Kopernikus ein Stein. Mit den Pfeilen und dem Stein (= experimentelle Überprüfung der Bewegungslehre) verbindet sich eine Spitze gegen die aristotelische Bewegungslehre. Ptolemäus, als Vertreter des geozentrischen Weltsystems, hält eine Armillarsphäre in der rechten Hand. In der Hand des Kopernikus hingegen befindet sich ein Tellurium, eine runde Scheibe mit einer Abbildung des heliozentrischen Weltbilds.

Leiden: Elzevier, 1635

Signatur: 4 Phys.V,3

Ansprechpartnerin: Dr. Kirsten Gerth

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