Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: Dezember 2016

vom 01.12.2016 bis 31.12.2016

Das "Rothaarige Mädchen" von Otto Dix

Am 2. Dezember 1891, vor 125 Jahren also, wurde in Gera-Untermhaus der Maler und Graphiker Otto Dix geboren. Gegen 1966 erwarb die damalige Universitätsbibliothek Jena von einem nicht bekannten Anbieter zwei Zeichnungen und sieben Lithographien des damals noch lebenden Künstlers (er starb am 25. Juli 1969 in Singen am Hohentwiel). Es war geplant, diese Werke in dem vorgesehenen neuen Hauptgebäude der Bibliothek aufzuhängen. Da dessen Erbauung allerdings nicht zustande kam (erst 1998 erfolgte die Grundsteinlegung für das heutige Hauptgebäude der ThULB), gerieten die Werke in Vergessenheit und wurden erst 2007 wieder aufgefunden. Daraufhin fand 2009 in der ThULB eine Ausstellung dazu statt. Es handelt sich überwiegend um Arbeiten aus Dix' Spätwerk. Anders als seine ungleich berühmteren Werke aus dem früheren 20. Jahrhundert ist Dix' Œuvre der späten 1940er bis 1960er Jahre relativ wenig bekannt. Dix war zu dieser Zeit Wanderer zwischen den beiden deutschen Staaten. Wohnhaft in Hemmenhofen am Bodensee, führte ihn insbesondere sein lithographisches Schaffen immer wieder nach Dresden. Mit seinem von expressionistischer Ausdruckskraft geprägten Spätwerk geht die Hinwendung zur Lithographie einher.

Ein besonders einprägsames Beispiel ist die Farblithographie "Rothaariges Mädchen" von 1963, ein großformatiges Blatt mit den Maßen 70 x 55,8 cm. Das "Rothaarige Mädchen" muss Otto Dix fasziniert haben, was man daraus ersehen kann, dass er dieses Sujet unter Einsatz unterschiedlicher Techniken mehrfach ins Bild gesetzt hat (vgl. etwa die Abbildungen in: Ulrike Lorenz, Otto Dix. Das Werkverzeichnis der Zeichnungen und Pastelle, Bd. 6, Weimar 2003, S. 2625, 2674 f.). Rechts unten ist das Jenaer Blatt signiert und datiert ("DIX 63"), rechts unten steht, gleichfalls eigenhändig, "Probe". Das Exemplar, welches laut einer Preisangabe offenbar 600 Mark gekostet hat, ist also einer der raren Probeabzüge der farbenprächtigen Lithographie. Probeabzüge graphischer Werke sind (neben ihrem höheren Marktwert) deswegen von besonderem Interesse, weil sie einen Einblick in das Werden eines Kunstwerks erlauben. Sie zeigen, welche Überlegungen zur Bildfindung und - wie in diesem Fall - zu einer geeigneten Farbgebung eine Künstlerin oder ein Künstler anstellt, bevor sie oder er zu einer befriedigenden Endfassung findet, die dann in den Seriendruck gehen kann.

Signatur: ThULB Jena, Graphiksammlung Nr. 659

Ansprechpartner: Dr. Joachim Ott

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