Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Objekt des Monats: April 2017

vom 01.04.2017 bis 30.04.2017

Hoffmanns Wanduhr mit Fliegenkiller

Pünktlich zum Beginn der diesjährigen Insektensaison mit ihren partiellen Auswirkungen auf das menschliche Nervenkostüm soll ein Objekt des Monats vorgestellt werden, welches jenen, die Fliegen nicht zu ihren Freunden zählen, Trost und Anregung bieten könnte.

"So vielerlei Mittel man auch anwendet, um die Wohnungen von diesen ungebetenen Gästen - den Fliegen - zu befreien, so sind doch die meisten, wo nicht gar den Menschen gefährlich, doch wieder mit manchen andern Unannehmlichkeiten verbunden. Durch einige z.B. werden die Wohnungen aufs neue mit den todten Körpern der Fliegen verunreinigt, andere verbreiten einen übeln Geruch - und wie viel Unglücksfälle durch giftige Mittel veranlaßt worden sind und noch veranlaßt werden, davon werden Jedem aus unsern Volksblättern traurige Beispiele bekannt sein." Mit diesem ernüchternden Lagebericht beginnt der Leipziger "Mechanicus et Opticus" J. C. Hoffmann (zu seiner Person wäre noch zu forschen) seinen Beitrag "Beschreibung und Abbildung einer Wanduhr, welche Fliegen todt schlägt", der im Journal für Fabrik, Manufaktur, Handlung, Kunst und Mode, Bd. 30, 1806, S. 56-62 veröffentlicht wurde. Diese ab 1791 in Leipzig erschienene Zeitschrift (ihr Name variierte im Laufe der Jahre leicht) bot Raum für allerlei Neuigkeiten aus den im Titel aufgeführten Bereichen. Reizvoll sind die enthaltenen Abbildungen, speziell die von Hand kolorierten zur Kleidermode. Eine Besonderheit ist, dass in die Bände kleine Stoffproben eingeklebt wurden. Textilmanufakturen hatten diese dem Journal zukommen lassen, um für ihre Produkte zu werben.

Hoffmann hatte, wie er schreibt, in einer Gaststube eine "einfache Maschine" kennengelernt. Sie bestand aus zwei an einer Schnur gespreizt aufgehängten Brettern, die man zusammenschlagen konnte. "Diese beiden Breter hatte man auf den innern Seiten mit einer Süßigkeit bestrichen, wornach die Fliegen sehr gehen. Schlug man diese Klappe zusammen, so fiel eine Menge Fliegen todt zur Erde herab" Die Gäste hätten sich einen Spaß daraus gemacht, "und so war die Menge des dadurch vertilgten Ungeziefers immer von Bedeutung." Dieses Prinzip inspirierte Hoffmann zu der "Idee, eine ähnliche Vorrichtung bei einer Wanduhr anzubringen. Ich führte sie aus und richtete den Mechanismus so ein, daß die Klappe alle Stunden 6 Mal zusammenschlägt. Schon durch diese einzige Klappe wurde eine Wohnstube, wo immer neue Fliegen zuströmten, völlig davon rein gehalten."

"Da diese Art, die Fliegen zu vertilgen, unstreitig die sicherste, einfachste, unschädlichste, und reinlichste - also die beste" sei, entschloss sich Hoffmann, der Allgemeinheit eine Konstruktionsanleitung seiner Erfindung, die "an eine jede gewöhnliche hölzerne Wanduhr anzubringen ist", an die Hand zu geben. Über mehrere Seiten schildert er genau, wie in die Uhr das "Todtschlagewerk" einzubauen ist. Auf einer begleitenden Tafel sind die Details zu sehen. Für Hoffmann stand außer Zweifel, dass der Sache ein großer Durchbruch beschert sein würde: "Es wäre freilich besser, wenn die Fabrikanten der hölzernen Uhren, dieselben gleich Anfangs dazu einrichteten, welches auch geschehen wird, so bald man ihre Nützlichkeit anerkannt haben und der Wunsch, sie zu besitzen, allgemein werden wird." Praktisch war zudem: "Die todten Fliegen geben ein gutes Hühnerfutter." Zeitgeschichtlich interessant ist eine Fußnote der Redaktion: "Dem Kenner wird dieser Mechanismus ungemeines Vergnügen machen, welcher bei seiner Einfachheit zugleich so sinnreich ist, daß, ware er in England oder Frankreich erfunden, man ihn in allen Repertorys und Annalen mit Enthusiasmus erheben und sein Lob in den Miscellen nachhallen lassen würde."

Es bleibt zu fragen, ob das tödliche Uhrwerk von Lesern des Journals tatsächlich nachgebaut wurde, um nicht zu sagen, wie vielen Fliegen wohl fortan die Stunde geschlagen haben mag. Lassen sich gar noch solche Wanduhren finden? Wer jedenfalls handwerkliches Geschick besitzt und sich Fliegen vom Leib halten möchte, könnte es auf den Versuch ankommen lassen, nach Hoffmanns Anleitung ein verfügbares altes Erbstück umzurüsten.

Signatur: 8 Cam.VII,43

Das Digitalisat des Journals finden Sie demnächst in der Universal Multimedia Electronic Library (UrMEL).

Ansprechpartner: Dr. Joachim Ott

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