Geschichte

Hervorgegangen aus der "Bibliotheca Electoralis" des sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise (1463 - 1525) und befruchtet durch mehr als 450 Jahre universitärer Entwicklung, versteht die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) diese Tradition als Verpflichtung für die Zukunft. In diesem Bewusstsein nimmt die ThULB, welche seit 1991 neben der Funktion als Universitätsbibliothek der Friedrich-Schiller-Universität Jena auch die Aufgabe der Landesbibliothek des Freistaates Thüringen inne hat, regionale und überregionale Aufgaben für die Literatur- und Informationsversorgung wahr.

Ihren Ursprung hat die ThULB in der umfassenden Büchersammlung, welche Friedrich der Weise begründete und 1512 "dem Gemeinwohl" zur Verfügung stellte. Der Kurfürst schuf ein lebendiges Wissenszentrum, welches sowohl als Mittel höfischer Repräsentation als auch als Arbeitsinstrument für universitär-humanistische Studien diente. Nach ihrer Überführung nach Jena im Jahr 1549 wurde sie von der 1558 inaugurierten Universität Jena fortan als akademische Bibliothek genutzt.

Im Verlauf des 17. Jahrhunderts profitierte die Bibliothek von bedeutenden Bestandszuwächsen. Schon Ende des 17. Jahrhunderts zählte die Jenaer Bibliothek zu den zahlenmäßig größten in Deutschland. Im Jahr 1817 wurde sie der "Oberaufsicht über die unmittelbaren Anstalten für Wissenschaft und Kunst in Weimar und Jena" unterstellt. Als zuständiger Minister für diesen Bereich beeinflusste Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) in den Folgejahren die Entwicklung der Bibliothek maßgeblich. Er initiierte den Umbau der Bibliothek hin zu einer akademischen Gebrauchsbibliothek im Sinne der Aufklärung.

Ende des 19. Jahrhunderts gab die Carl-Zeiss-Stiftung durch Bereitstellung erheblicher finanzieller Mittel der Entwicklung der Bibliothek neue Impulse. Im Jahr 1858 erhielt die Bibliothek einen zentralen Neubau, welcher im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Zunehmend erfüllt die Jenaer Bibliothek auch regionale Aufgaben für Thüringen, so z. B. als wissenschaftliches Bestandszentrum und Leitbibliothek im Leihverkehr, mit der thüringenweiten Koordination bibliothekarischer Aufgaben im Bereich der Bestandserschließung und der Sammlung der regionalen Pflichtexemplare sowie mit der Erarbeitung der Thüringen-Bibliographie.

Mit ihren 3,9 Millionen Bestandseinheiten und einer umfassenden Sammlung an digitalen Ressourcen verbindet die ThULB als zentrales Bestands-, Forschungs- und Kompetenzzentrum universitäres Wissenschafts- und Forschungsdenken mit großer Offenheit gegenüber einem kulturell interessierten Kundenkreis. Ihr obliegt die Sammlung, Erschließung und wissenschaftliche Betreuung thüringischer, nationaler und internationaler Kultur- und Mediengüter. Darüber hinaus stellt die ThULB mit der Universal Multimedia Electronic Library of Jena (UrMEL) zugleich die Plattform und das Portal für die virtuelle Aufbereitung und Präsentation multimedialer Quellen und Sammlungen von Bibliotheken, Archiven, Museen und weiteren Kultureinrichtungen zur Verfügung.

Das einschichtige, integrierte Bibliothekssystem der ThULB umfasst das Bibliothekshauptgebäude mit integrierter Teilbibliothek Geisteswissenschaften und drei weiteren Teilbibliotheken (Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften; Naturwissenschaften und Medizin). Das ab 1998 erbaute und 2001 eröffnete Bibliothekshauptgebäude am Bibliotheksplatz steht auf historischem Grund und zeichnet sich durch seine zentrale Lage im Stadtzentrum aus.