Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Welt-Zeit. Christliche Weltchronistik in zwei Jahrtausenden in Beständen der ThULB

vom 19.05.2005 bis 30.07.2005

Ort: Zimelienraum im Bibliothekshauptgebäude der ThULB (Erdgeschoss, Zugang rechts hinter der Zentralen Informationstheke)

Ausstellungsplakat

Die ThULB Jena präsentierte im Zimelienraum ihre Sammlung besonders wertvoller und schöner Handschriften und Drucke, in denen die Geschichte der Welt erzählt wird – darunter die berühmte Weltchronik Ottos von Freising aus dem 12. Jahrhundert (Ms. Bos. q. 6) mit ihren lebendigen Federzeichnungen und die Schedelsche Weltchronik von 1493 in handkolorierten Ausgaben.

Welt-Zeit zu denken: die gesamte Zeit dieser Welt von den Anfängen bis an ihr Ende in einen denkerischen Entwurf zu fassen – das hat die Menschen seit langem fasziniert, und es fasziniert sie in gewissem Sinn bis heute. Moderner Ausdruck dieser Faszination sind historische Großunternehmen wie die Weltgeschichten „Saeculum“ oder „Propyläen“, die in vielen Bänden das Gesamt der Geschichte der Menschheit zur Darstellung bringen wollen. In Antike und Mittelalter geschah dies in Form der christlichen Weltchronik: Verzeichnung der Zeiten von Anbeginn der Welt bis zu ihrem Ende (oder in der Praxis zumindest: bis zur Jetzt-Zeit des Schreibers). Für mehr als eineinhalb Jahrtausende stellte diese Gattung das Gefäß dar, in das beinahe alles eingefüllt werden konnte, was man über die Welt wissen konnte oder wissen wollte: bei weitem nicht nur Geschichte, sondern auch Geographie, Astronomie, Landeskunde (samt Lokalpolitik) und vieles mehr, natürlich auch die Hoffnungen und Befürchtungen für das nah oder fern geglaubte Ende.

Vom 19. Mai bis 30. Juli 2005 präsentiert die ThULB aus ihren reichen Beständen einige besonders wertvolle und schöne Handschriften und Drucke zum Thema „Christliche Weltchronistik“, darunter die berühmte Weltchronik Ottos von Freising aus dem 12. Jahrhundert (Ms. Bos. q. 6) mit ihren lebendigen Federzeichnungen und von Hand kolorierte Ausgaben der Schedelschen Weltchronik von 1493. Die Ausstellung ist gestaltet und wissenschaftlich verantwortet von Prof. Dr. Martin Wallraff von der theologischen Fakultät in Zusammenarbeit mit Dr. Joachim Ott, Leiter der Abteilung Handschriften und Sondersammlungen der ThULB.

Die Ausstellung wird durch einen öffentlichen Abendvortrag von Prof. Dr. Hans-Werner Goetz (Universität Hamburg) eröffnet. Professor Goetz ist einer der derzeit bekanntesten Mediävisten und ein international angesehener Spezialist für mittelalterliche Geschichtsschreibung und Geschichtsdeutung. Sein Vortrag hat das Thema „Der Umgang mit der Geschichte bei Otto von Freising und in der mittelalterlichen Weltchronistik“. Er findet statt am 19. Mai um 19:00 Uhr im Vortragssaal der ThULB.

Ein Autorenteam beschreibt und erklärt die Exponate ausführlich, auch übergreifende Fragestellungen zur christlichen Weltchronik werden dabei behandelt. Zahlreiche Abbildungen bereichern den Band. Der Katalog ist zum Preis von 19,95 Euro in der Bibliothek und im Buchhandel erhältlich (ISBN 3-11-018480-X).

In der Zeit vom 19. bis 21. Mai fand eine internationale wissenschaftliche Tagung über "Iulius Africanus und die Tradition der christlichen Weltchronik" in Eisenach statt. Experten für lateinische, griechische, syrische, armenische und äthiopische Weltchronistik diskutierten ihre Forschungsergebnisse auf diesem Feld (verantwortlich: Prof. Martin Wallraff).

Zu dieser Ausstellung ist ein Begleitband erhältlich.

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