Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

Welttag des Buches

Nachricht vom : 19.04.2016

Alte Bücher bergen Geheimnisse, die manchmal mit bloßem Auge nicht zu entschlüsseln sind. In derartigen Fällen sind technische Verfahren eine sehr nützliche Hilfe. Eine solche Technik ist die Multispektralanalyse, die einen Blick in tiefere Schichten von Beschreibstoffen, speziell Pergament, erlaubt.

Vor kurzem, im Februar 2016, fand in der ThULB eine Multispektralanalyse mehrerer historisch herausragender Handschriften und Drucke der ThULB statt, eine Kooperation mit den Monumenta Germaniae Historica (München) und dem Sonderforschungsbereich 950 "Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa" (Hamburg). Bei dem berührungs- und zerstörungsfreien Verfahren, das weltweit bereits vielfach mit Erfolg eingesetzt wurde, werden historische Dokumente durch LED-Leuchten für kurze Momente unterschiedlichen Farbwellen des Lichtspektrums ausgesetzt und dabei hochauflösend fotografiert. Eine wesentliche Basis sind Ultraviolett- und Infrarotstrahlung.

Die Multispektralanalyse erbrachte für die ThULB wie auch für die Monumenta Germaniae Historica (MGH) erfreuliche Aufschlüsse (Bericht MGH). Im Zentrum stand die Untersuchung des Autographs der Weltchronik Frutolfs von Michelsberg (Ms. Bos. q. 19; um 1100), eine der bedeutendsten Handschriften der ThULB. Ziel war, die in der Frutolf-Forschung seit langer Zeit diskutierte Übergangspassage von Frutolfs eigenhändigem Text zu einer gegen Ende der Handschrift einsetzenden Fortsetzung im Wortsinn zu beleuchten, um die Thesen der Forschung dazu am Original zu überprüfen.

Untersucht wurden außerdem eine Handschrift aus der Bibliothek des großen Bibliophilen Jean de Berry (Ms. El. f. 87), dessen rasierter Besitzvermerk dank der technischen Analyse klar zu Tage trat, sowie eine doppelbändige illuminierte Pergamentinkunabel von 1493/94 (Ms. El. f. 83-84), die zwei rasierte Besitzvermerke aufweist. Hier war die Multispektralanalyse der einzige Weg festzustellen, dass es sich jeweils um den Vermerk Graf Johanns II. von Oettingen handelt, der in der Forschung als Besitzer wertvoller Bücher bekannt ist. Auch ein fast völlig verblasster Brief Friedrich Schillers von 1795 wurde in die Untersuchung einbezogen; die entstandenen Aufnahmen werden noch ausgewertet.

Die Digitalisate der o. g. Handschriften können Sie über Collections@UrMEL abrufen:

Ansprechpartner: Dr. Joachim Ott

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